Das Ei mit dem Doppelleben
Warum "AT" auf der Ostereiverpackung täuschen kann
Schnell noch ein hartgekochtes Ei aus dem Supermarkt mitnehmen für den Salat in der Mittagspause oder für die Jausenbox der Kinder. Das ist keine Seltenheit, denn gekochte und gefärbte Eier gibt es längst schon rund ums Jahr. Doch zu welcher Packung greifst du? Zu jener, mit den buntesten Eiern oder zu jener, wo Österreich aufgedruckt ist? Wusstest du, dass auf der Verpackung AT für Österreich, aber auf dem Ei ein fremdes Land stehen kann? Wie das zusammenpasst und woher die Eier wirklich stammen, erfährst du hier.
© canva Wenn der Einkauf Fragen aufwirft
Susanne ist gerade beim Einkaufen – eine Situation, die wohl jeder kennt. Vor dem Eiregal fällt ihr ein, dass sie für die Freundesrunde am Wochenende noch einen Eiaufstrich machen wollte und das jüngste Kind sich für die Jausenbox am nächsten Tag einen Salat mit hart gekochtem Ei gewünscht hat. Bevor sie sich nun das Eierkochen antut, kann sie gleich eine Packung mit fertig gekochten und gefärbten Eiern nehmen. Um ein Produkt aus Österreich zu kaufen, wählt sie eine Packung mit dem Aufdruck „AT” und legt sie in den Einkaufswagen. Doch zu Hause angekommen, erlebt sie beim Öffnen der Packung ihr blaues Wunder. Die Eier waren mit den Buchstaben „PL“ bedruckt. Damit ist sicher nicht St.Pölten-Land gemeint, sondern wohl eher Polen, denkt sie. Wie können also polnische Eier in eine Verpackung mit Österreich-Kürzel gelangen? War das ein Lausbubenstreich, bei dem jemand die Eier vertauscht hat?
© Canva_bearbeitet mit KI Zwei Länder, zwei Wahrheiten
Außen Inland, innen Ausland, das ist keine Verwechslung, sondern kann wirklich so sein. Der Grund für diese scheinbare Widersprüchlichkeit liegt in zwei unterschiedlichen Codes:
- das Identitätskennzeichen auf der Verpackung (AT für Österreich)
- der Erzeugercode direkt auf dem Ei (PL für Polen)
Diese beiden Codes beschreiben unterschiedliche Stationen beim Herstellungsprozess, vom frisch gelegten Ei bis hin zur Verpackung.
Das Identitätskennzeichen
auf der Verpackung
Das Genusstauglichkeits- bzw. Identitätskennzeichen ist auf Lebensmitteln tierischen Ursprungs angebracht, zum Beispiel auf Eierpackungen. Es bestätigt, dass das Produkt für den menschlichen Verzehr freigegeben wurde.
Das Kennzeichen besteht aus einem Länderkürzel und einer Betriebsnummer. Es gibt an, in welchem Betrieb die Eier gekocht, gefärbt und verpackt wurden, aber nicht, wo sie gelegt wurden! Das Kennzeichen dient also in erster Linie der Rückverfolgbarkeit für die amtliche Lebensmittelkontrolle.
Der Erzeugercode
auf dem Ei
Direkt auf jedem Ei ist ein weiterer Code aufgedruckt, der sogenannte Erzeugercode. Dieser gibt nun Auskunft über das Land des Legebetriebs, die Haltungsform und den landwirtschaftlichen Betrieb:
- Erste Ziffer: Haltungsform (0 = Biohaltung, 1 = Freilandhaltung, 2 = Bodenhaltung, 3 = Käfighaltung).
- Buchstaben: Herkunftsland des Legebetriebs (zum Beispiel AT für Österreich, DE für Deutschland, PL für Polen).
- Zahlenfolge: Betriebsnummer des landwirtschaftlichen Betriebes
Was wir daraus lernen können
Steht auf einer Verpackung von gekochten Eiern außen “AT”, heißt dies, dass die Eier in Österreich gekocht, gegebenenfalls gefärbt und schlussendlich verpackt wurden.
Öffnet man den Karton und es springt einem ein auf den Eiern aufgedrucktes “PL” ins Gesicht, heißt das, dass die Eier von Hennen in Polen gelegt wurden.
© AMA Marketing Was heißt das jetzt?
Es ist also grundsätzlich möglich und erlaubt, dass unterschiedliche Länder als Codes auf Verpackung und Eiern genannt werden, da sie unterschiedliche Stationen in der Produktionskette kennzeichnen.
© EZG Frischei/Klaus Prokop Fotodesign Herkunftskennzeichnung bei gekochten Eiern nicht verpflichtend
Während bei frischen Eiern die Herkunft sowie die Haltungsform gesetzlich angegeben werden müssen, gelten für gekochte und gefärbte Eier andere Vorschriften. Da sie als verarbeitete Lebensmittel eingestuft werden, besteht keine Pflicht zur Kennzeichnung der Herkunft oder der Haltungsform. Auch ein Erzeugercode auf der Eierschale ist bei gekochten Eiern nicht vorgeschrieben. Dennoch entscheiden sich viele Hersteller dafür, diese Informationen freiwillig auf der Verpackung bereitzustellen. Wer sich beim Eier aus Österreich-Einkauf in Sicherheit wiege möchte, sollte daher die Angaben auf der Verpackung sorgfältig prüfen.
© AMA Marketing Worauf man beim Ostereierkauf achten kann
Wer gezielt Eier aus Österreich kaufen möchte, sollte genau hinschauen:
- 🇦🇹 Entweder auf das AMA-Gütesiegel achten
- 🥚oder die Packung öffnen und prüfen, ob am Ei ein AT-Erzeugercode steht
Nur so lässt sich eindeutig feststellen, woher die Eier tatsächlich stammen.