Unsere Felder leben!
Begrünung, Biodiversität & Klima
Das Mehl fürs Brot, das Öl im Salat oder die Kartoffeln für die Pommes – sie alle stammen von Pflanzen, die auf unseren Feldern wachsen. Doch dort wächst und tummelt sich noch viel mehr: blühende Pflanzen, summende Insekten und unzählige Bodenlebewesen. Eines haben sie gemeinsam – sie machen unsere Felder lebendig und helfen sogar dem Klima!
© countrypixel/stock.adobe.com Grün statt braun – Pflanzenpower fürs Klima
Nach der Ernte im Sommer bleibt der Boden nicht kahl zurück. Viele Bäuerinnen und Bauern säen Begrünungspflanzen. Also Pflanzen, die zwischen zwei Hauptkulturen (Getreide, Mais, Zuckerrüben usw.) wachsen. Sie werden meist im Sommer gesät und bleiben bis in den Herbst oder sogar über den Winter auf den Feldern stehen. Der Boden bleibt bedeckt, gesund und kann mehr Wasser speichern. Ihre Wurzeln halten den Boden fest und verhindern, dass durch Wind oder Regen wertvolle Erde verloren geht. Außerdem bleibt ein bewachsener Boden im Sommer kühler, während sich ein kahler Acker auf über 40 °C aufheizen kann! Das ist wichtig, denn in zu heißem Boden sterben viele Bodenlebewesen ab. Pflanzenreste werden nicht mehr zersetzt. Neue Nährstoffe für die nächste Ernte gehen damit verloren. Begrünungspflanzen helfen auch beim Klimaschutz: Sie speichern Kohlenstoff und fördern den Aufbau von Humus, einer dunklen fruchtbaren Bodenschicht, die Wasser wie ein Schwamm aufnehmen kann. Auch in der Bio-Landwirtschaft spielen sie eine große Rolle, weil dort keine chemisch-synthetischen Dünger eingesetzt werden.
Stattdessen sorgen Pflanzenvielfalt und Begrünung für einen natürlichen Kreislauf.
Blühende Vielfalt – Buffet für Insekten
Von Juli bis September, wenn Wiesen und Wälder schon verblüht sind, wird es für viele Insekten schwierig, Nahrung zu finden. In dieser Zeit wachsen auf den Feldern der Bäuerinnen und Bauern viele Begrünungspflanzen, die bunt blühen und voller Nektar sind. Dazu gehören zum Beispiel Buchweizen, Klee, Senf, Phacelia oder Sonnenblumen. Sie sind wie ein riesiges Buffet für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.
Auch im Winter bleiben viele Flächen stehen: Sie bieten Schutz und Nahrung für Rehe, Feldhasen, Fasane und Vögel – ein echtes Naturhotel mitten im Acker!
Biodiversität – buntes Leben am Acker
Biodiversität bedeutet Vielfalt – an Pflanzen, Tieren und Lebensräumen. Unser Landwirtinnen und Landwirte fördern sie mit Blühstreifen, Hecken, Feldrainen und wechseln jedes Jahr, was sie anbauen (= Fruchtfolge), damit der Boden gesund bleibt. So entstehen Lebensräume für Insekten, Vögel und kleine Tiere wie den Feldhamster oder das Rebhuhn. In Niederösterreich stellen Bäuerinnen und Bauern rund 10 % ihrer Acker- und Grünlandflächen für Tiere und Pflanzen bereit. Ganze 80.000 Hektar kommen dabei der Natur zugute. Das entspricht etwa der Fläche von Berlin. Sowohl konventionell wirtschaftende als auch Bio-Landwirtinnen und -Landwirte achten darauf, eine harmonische Balance zwischen Produktion und Natur zu halten. Denn gesunde Böden und Artenvielfalt sind die Basis für gute Ernten und eine lebenswerte Umwelt.
Der Boden – unser stiller Klimaschützer
In einem Teelöffel gesunder Erde leben mehr Lebewesen, als Menschen auf der Erde existieren! Diese kleinen Helfer zersetzen Pflanzenreste, bilden Humus und speichern Wasser sowie Nährstoffe. Humusreiche Böden binden Kohlenstoff und helfen so, das Klima zu schützen.
Je besser wir unsere Böden pflegen, desto widerstandsfähiger bleibt unsere Landwirtschaft gegen Trockenheit, Starkregen und Hitze.
Begrünung, Biodiversität und Klima gehören zusammen. Was auf den ersten Blick wie “nur ein Acker” aussieht, ist in Wahrheit ein Ort voller Leben. Unsere Bäuerinnen und Bauern zeigen täglich, dass Produktion und Natur Hand in Hand gehen können.
© Eva Kail/LK NÖ Wusstest du, dass ...
- … Insekten über 70 % aller heimischen Tierarten ausmachen?
- … begrünte Flächen im Sommer bis zu 10 °C kühler sind als nackter Boden?
- … Humus im Boden fünfmal mehr Wasser speichern kann als Sand?
- … in Niederösterreich auf 230.000 Hektar Feldern blühende Kulturen wachsen?
- … begrünte Flächen im Sommer bis zu 10 °C kühler als nackter Boden sind?
- … Bäuerinnen und Bauern in NÖ 10 % ihrer Acker- und Grünlandflächen für Tiere und Pflanzen bereitstellen?
© Eva Kail/LK NÖ
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© Eva Kail/LK NÖ Finn empfiehlt
Und auch du kannst mithelfen! Ob im Garten, auf dem Balkon oder im Schulgarten, überall, wo es blüht, summt und wächst, gewinnt die Natur ein Stück zurück.
Artikel erschienen in Die Landwirtschaft Junior (Februar 2026);
Autorin: Seminarbäuerin Claudia Ebersperger