Blauzungenkrankheit

Die Blauzungenkrankheit wird durch Stechmücken (Gnitzen) übertragen – mit steigenden Temperaturen breitet sie sich rasant aus. Besonders Schafe sind gefährdet und können schwere Symptome entwickeln. Eine Impfung bietet wirksamen Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf.

© Paula Pöchlauer-Kozel/LK NÖ

Die Blauzungenkrankheit ist eine weltweit vorkommende Viruserkrankung bei Wiederkäuern wie Rindern, Schafen, Ziegen, Kamelartigen (z. B. Alpakas) und Wildwiederkäuern (z. B. Rehen). Sie wird durch verschiedene Serotypen des Blauzungenvirus (BTV) verursacht, aktuell in Europa vor allem durch die Typen BTV-3 und BTV-4, die schwere Symptome hervorrufen können. Die Krankheit ist meldepflichtig und für den Menschen ungefährlich.

Österreich galt seit 2021 als seuchenfrei, doch im September 2024 wurden neue Fälle festgestellt – in Vorarlberg (BTV-3) und in der Steiermark (BTV-4). Dadurch wurde der seuchenfreie Status aufgehoben und ganz Österreich zur Blauzungenzone erklärt. Es gibt keine spezifische Therapie; erkrankte Tiere können nur symptomatisch behandelt werden.

Die Blauzungenkrankheit wird hauptsächlich durch Gnitzen (kleine Stechmücken) übertragen, die das Virus von infizierten Tieren aufnehmen und weiterverbreiten. Die Übertragung ist saisonal und tritt vorrangig zwischen Juni und November auf. Auch andere Insekten wie Stechmücken oder Zecken sowie infiziertes Sperma oder die Übertragung von Muttertier auf Fötus gelten als mögliche, wenn auch seltene Übertragungswege. Eine Ansteckung über Fleisch oder Milch ist ausgeschlossen.

Die Tierseuche, die ursprünglich aus Südafrika stammt, ist inzwischen in vielen Teilen der Welt verbreitet. In Europa trat sie 2006 erstmals in den Niederlanden und Deutschland auf, später auch in Österreich (2008, 2015, 2024). Seit September 2024 breitet sich das Virus erneut stark in Österreich aus. Bis Ende April 2025 wurden dort über 400 Ausbrüche gemeldet – mit Schwerpunkt auf die Serotypen 3 (v.a. in Westösterreich) und 4 (v.a. im Süden und Osten). Die Verbreitung erfolgt neben Gnitzen auch über Tiertransporte und infiziertes Zuchtmaterial. Auch starke Ausbrüche in Nachbarländern wie Deutschland und den Niederlanden begünstigen eine Einschleppung nach Österreich.

Zur Vorbeugung gegen die Blauzungenkrankheit sollten Gnitzen möglichst ferngehalten werden, da sie die Hauptüberträger des Virus sind. Dafür ist es wichtig, feuchte Brutstellen (z. B. Güllegruben, Wasserlacken) zu vermeiden, Stallungen in der Dämmerung geschlossen zu halten und regelmäßig Insektenbekämpfung durchzuführen. Auch Repellentien (insbesondere Pyrethroide) können zum Schutz der Tiere beitragen – ihre Anwendung ist sowohl auf konventionellen als auch Biobetrieben zulässig, wobei bei Bio-Tieren die Wartezeit für Repellentien verdoppelt werden muss.

Ein wirksamer Schutz vor schweren Krankheitsverläufen ist nur durch Impfung möglich. In Österreich sind aktuell drei Totimpfstoffe gegen den Serotyp 3 (BTV-3) zugelassen, zwei davon mit temporärer EU-Zulassung. Diese Impfstoffe verringern klinische Symptome und Virusausscheidung, verhindern aber keine Ansteckung. Eine Impfung ist freiwillig und erfolgt auf Kosten der Tierhalter, wird jedoch vom Gesundheitsministerium und Fachgremien nachdrücklich empfohlen – besonders bei gefährdeten Tieren.

Auch bei Biobetrieben ist die Impfung erlaubt, ohne dass die Wartezeit verlängert werden muss. Impfstoffe sind derzeit offiziell nur für Schafe und Rinder zugelassen, können aber für Ziegen, Alpakas und Lamas umgewidmet werden. Impfnebenwirkungen sind laut bisherigen Berichten selten. Wichtig ist die Dokumentation jeder Impfung, da geimpfte Tiere serologisch nicht von infizierten unterschieden werden können.

Die Blauzungenkrankheit verläuft je nach Serotyp und Tierart unterschiedlich schwer. Besonders Schafe (je nach Rasse) zeigen oft deutlichere Symptome als Rinder oder Ziegen. Der aktuell kursierende Serotyp 3 verursacht teils schwere Krankheitsverläufe. Es können aber auch symptomlose Infektionen auftreten – solche Tiere bleiben dennoch Überträger.

Typische Symptome sind:

  • Fieber, Fressunlust, starker Speichelfluss
  • Rötungen, Erosionen oder Nekrosen der Mund- und Nasenschleimhäute
  • Geschwollene Lippen, Lahmheiten (bis zum „Ausschuhen“), entzündete Kronsäume
  • Rückgang der Milchleistung, Aborte
  • Entzündungen an den Zitzen (erschwerte Melkbarkeit)

Ein positiver Nachweis führt zu wirtschaftlichen Folgen wie Leistungsrückgang und erhöhter Sterblichkeit, v.a. bei Schafen. Es gelten Handelsbeschränkungen und mögliche behördliche Maßnahmen wie Betriebssperre, Verbringungsverbot oder Insektizidbehandlungen. Tierhalter müssen den Tierbestand laufend erfassen und dokumentieren.

Weiterführende Informationen

Erfahrungsberichte deutscher Tierärzte sind in zwei TGÖ-Webinaren (2024 & 2025) abrufbar. Weitere Infos zum amtlichen Monitoring bietet die AGES.

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