Baum des Jahres

Bäume sind mehr als nur grüne Kulisse – sie sind Teil unserer Kultur, Geschichte und Lebensräume. Um das stärker ins Bewusstsein zu rücken, gibt es in vielen Ländern die Aktion "Baum des Jahres". Damit soll ein Baum besonders hervorgehoben werden, der für Natur und Gesellschaft wichtig ist.

Lärchenwald © Alexander Gasplmayr/LK NÖ

Lärchenwald

Wer darf den Baum wählen?

Wie der „Baum des Jahres“ ausgewählt wird, ist allerdings von Land zu Land unterschiedlich. Während das Ziel – nämlich mehr Wertschätzung für Bäume – überall gleich bleibt, richten sich Auswahl und Organisation nach den jeweiligen heimischen Arten und lokalen Gegebenheiten.

In Österreich wird der Baum des Jahres jährlich vom Kuratorium Wald in Kooperation mit dem Landwirtschafts-Ministerium gekürt. In Deutschland übernimmt diese Aufgabe die Dr. Silvius Wodarz Stiftung.

Baum des Jahres 2026: Die Lärche

Larix decidua

Die Europäische Lärche ist ein echter Charakterbaum der Alpen. Sie wird bis zu 45 Meter hoch, kann über 1.000 Jahre alt werden und wächst vor allem in Höhenlagen zwischen 1.000 und 2.200 Metern. Mit ihrer imposanten Erscheinung und den leuchtenden Farben ihrer Nadeln prägt sie ganze Berglandschaften – von Tälern bis hin zu Hochplateaus. Besonders auffällig: Die Lärche ist der einzige heimische Nadelbaum, der im Herbst seine Nadeln abwirft. Vorher färben sie sich goldgelb und sorgen nach dem Abfallen für wertvollen Humus im Boden.

Doch die Lärche kann noch mehr: Sie ist extrem widerstandsfähig gegenüber Frost, Sturm, Schneebruch und Steinschlag und spielt damit eine wichtige Rolle im Schutzwald – also dort, wo Wälder Siedlungen vor Naturgefahren wie Lawinen oder Muren schützen. Gleichzeitig ist sie auch wirtschaftlich bedeutend: Ihr Holz ist robust, gut zu verarbeiten und besonders witterungsbeständig.

Auch für die Natur ist die Lärche unverzichtbar. Ihre Samen dienen vielen Vogelarten als Nahrung, ihre lockeren Kronen lassen viel Licht durch und fördern so einen artenreichen Unterwuchs. Seit Jahrhunderten nutzt der Mensch diese Eigenschaft, etwa durch die Kombination von Lärchenwäldern und Weideflächen. Kurz: Die Lärche ist ein Baum, der Gebirge schützt, Lebensräume schafft und sich perfekt an extreme Bedingungen anpasst.

Lärche © Simon Feichter/LK NÖ
Lärche
verfärbte Lärche im Herbst © Susanne Teufl/LK NÖ
Verfärbte Lärche im Herbst
Jahrringe einer Lärche © Simon Feichter/LK NÖ
Jahrringe einer Lärche
Mischwald mit Douglasie, Schneeberg und verfärbter Lärche © Jeanine Jaegersberger/LK NÖ
Mischwald mit verfärbter Lärche
Lärchenwald © Alexander Gasplmayr/LK NÖ
Lärchenwald
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Rückblick hierzulande

Das waren die Bäume des Jahres in Österreich

Die Mehlbeere ist ein mittelgroßer, bis zu 200 Jahre alter Baum aus der Familie der Rosengewächse. Mit ihren auffällig weißen Blüten und leuchtend roten Früchten ist sie nicht nur ein Hingucker, sondern auch ökologisch wertvoll: Viele Insekten und Vögel finden in ihr Nahrung und Lebensraum. Dank ihrer Trockenheitsresistenz wächst sie an sonnigen, offenen Standorten – von Waldrändern bis hin zu felsigen Hängen. Auch im Stadtgebiet wird sie wegen ihrer Robustheit und geringen Ansprüche gern gepflanzt.

Das Holz der Mehlbeere wächst langsam, ist aber dafür besonders hart – ideal für kunsthandwerkliche Arbeiten. Ihre mehligen Früchte gaben ihr vermutlich den Namen, da sie früher zum Strecken von Mehl verwendet wurden. Zur gleichen Pflanzenfamilie zählen auch bekannte Arten wie die Eberesche, der Speierling und die Elsbeere – allesamt wichtige heimische Gehölze mit ähnlichem ökologischen Nutzen.

2024 stehen gleich zwei heimische Baumarten im Rampenlicht: die Stiel- und die Traubeneiche. Beide sind imposante, bis zu 1000 Jahre alte Laubbäume mit typischen gelappten Blättern. Während die Stieleiche gern in feuchten Auen wächst, bevorzugt die Traubeneiche trockenere Standorte. Sie sind nicht nur ökologisch bedeutsam, sondern liefern auch besonders hochwertiges Holz für Möbel, Brücken oder Weinfässer. Früher waren auch ihre Rinde und Eicheln wertvoll – etwa für die Gerberei oder als Schweinefutter.

Neben den Eichen verdient auch die Mehlbeere Aufmerksamkeit. Sie wächst auf trockenen, sonnigen Hängen und wird für ihr hartes, vielseitig verwendbares Holz geschätzt. Ihre mehligen Früchte gaben ihr den Namen – sie wurden früher tatsächlich zum Strecken von Mehl genutzt. Verwandte wie Eberesche, Speierling und Elsbeere gehören zur gleichen Baumfamilie und spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in unseren Wäldern und Städten.

Die Eberesche, besser bekannt als Vogelbeere, ist ein echter Allrounder unter den Bäumen. Sie wächst bis zu 25 Meter hoch, hat auffällig orange Früchte und fühlt sich an fast jedem Standort wohl – egal ob feucht, trocken, nährstoffreich oder karg. Wegen ihrer Widerstandsfähigkeit wird sie auch als Pionierbaum bezeichnet. Ihre Früchte bieten Vögeln, Bären, Füchsen und vielen weiteren Tieren eine wichtige Nahrungsquelle und machen sie zu einem wertvollen Beitrag für die Artenvielfalt.

Seit über 2000 Jahren nutzen Menschen die Eberesche – ob in der Mythologie, als Heilpflanze oder in der Forstwirtschaft. Ihre Früchte sind nicht nur bei Tieren beliebt, sondern auch für Menschen von Nutzen. Darüber hinaus ist sie ein wichtiger Lebensraum für Schmetterlinge und Insekten. Kurz: Die Eberesche ist ein Baum, der Natur, Kultur und Klima auf besondere Weise verbindet.

Die Rotföhre, auch bekannt als Weißkiefer, ist ein echter Überlebenskünstler unter den Bäumen. Sie wird bis zu 600 Jahre alt, kann über einen Meter dick werden und wächst an extrem unterschiedlichen Standorten – von Mooren über Sandböden bis zu Felsspalten. Das liegt daran, dass sie mit sehr wenig Wasser auskommt und sich auch unter schwierigen Bedingungen behauptet. Gerade im Klimawandel zeigt sie ihre Stärke: Während andere Baumarten Probleme haben, trotzt die Rotföhre Trockenheit und Hitze erstaunlich gut.

Doch sie ist nicht nur robust, sondern auch nützlich: Ihr Holz wird gerne in der Baubranche verwendet und sie wurde früher zur Harzgewinnung genutzt. Außerdem bietet sie Lebensraum für viele Tiere, Pilze und Insekten – manche davon helfen ihr sogar beim Überleben. Von der Ebene bis hoch hinauf in die Alpen ist die Rotföhre in Europa weit verbreitet und ein echter Hoffnungsträger für unsere Wälder der Zukunft.

Die Linde ist ein beeindruckender Baum, der nicht nur durch seine Größe und sein Alter auffällt – bis zu 800 Jahre kann er alt werden! In Europa sind vor allem Sommer-, Winter- und Silberlinde verbreitet. Ihre herzförmigen Blätter, graue Rinde und die nährstoffreichen Blüten machen sie zu einem wichtigen Lebensraum für Bienen. Linden wachsen auf kalkhaltigen, sandigen oder lehmigen Böden und sind mit ihrem rötlich-gelben Holz auch für Handwerk und Kunst interessant.

Doch die Linde ist mehr als nur ein Baum – sie ist ein Symbol. In alten Mythen, wie der Nibelungensage, spielt sie eine Rolle, und in Dörfern war sie oft Mittelpunkt des sozialen Lebens. Als „Baum der Gemeinschaft“ stand sie 2021 stellvertretend für Zusammenhalt in schwierigen Zeiten. Ihre Bedeutung zeigt: Natur und Gesellschaft sind eng miteinander verwoben – gerade in einem vielfältigen Land wie Österreich.

Die Erle wurde 2020 zum Baum des Jahres gewählt – und das zurecht: Sie ist ein echter Überlebenskünstler in feuchten Gebieten. In Österreich gibt es drei heimische Arten: Schwarz-, Grau- und Grünerle. Sie wachsen in Auwäldern, an Flussufern oder sogar im Gebirge. Alle drei gehören zur Familie der Birkengewächse und sind für ihre Anpassungsfähigkeit bekannt.

Die Schwarzerle liebt es richtig nass und wächst direkt an Flüssen. Die Grünerle fühlt sich im Gebirge wohl und ist dort ein echter Schutzbaum – sie stabilisiert Hänge nach Lawinen oder Muren. Die Grauerle ist weniger anspruchsvoll und gedeiht zwischen 500 und 1400 Höhenmetern an Bächen und Flüssen. Kurz gesagt: Erlen sind still, aber wichtig – sie sorgen für stabile Böden und gesunde Gewässer.

Hier findest du noch mehr "Bäume des Jahres" aus Österreich.

Rückblick in Deutschland

Das waren die Bäume des Jahres in unserem Nachbarland

  • 2026: Zitterpappel, auch Espe (Populus tremula)
  • 2025: Roteiche (Quercus rubra)
  • 2024: Echte Mehlbeere (Sorbus aria)
  • 2023: Moor-Birke (Betula pubescens)
  • 2022: Rotbuche (Fagus sylvatica)
  • 2021: Stechpalme (Ilex aquifolium)
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