Welches Mehl für Striezel, Spätzle, Sachertorte

Was Konsument:innen über Mehlarten, Verwendung und Herkunft wissen sollten


Vom flaumigen Osterstriezel bis hin zum weihnachtlichen Vanillekipferl, über das Jausenbrot bis hin zum Muttertagskuchen. Mehl ist aus der österreichischen Küche nicht wegzudenken. Doch Mehl ist nicht gleich Mehl: Unterschiedliche Typen haben unterschiedliche Eigenschaften und Einsatzbereiche. Gleichzeitig achten immer mehr Konsument:innen auf Herkunft, Qualität und Bio-Anteile.

Was ist Mehl eigentlich?

Mehl ist die Grundlage vieler Lebensmittel und entsteht, indem Getreidekörner fein gemahlen werden. In Österreich wird dafür vor allem Weizen, aber auch Dinkel und Roggen verwendet. Je nach Verarbeitung entstehen unterschiedliche Mehltypen, die sich in ihrer Konsistenz und ihrem Backverhalten deutlich unterscheiden.

Vor dem Mahlen werden die Getreidekörner in einem mehrstufigen Prozess gereinigt. Zuerst werden mit den Schwingsieben Erdmaterial herausgefiltert, und dann am Rütteltisch bzw. Steigsichter durch Rütteln kleine leichte Körner und verbliebene Spelzen vom Rest getrennt. Da sich zu diesem Zeitpunkt noch kleine Steine im Erntegut befinden können, werden diese im Steinabscheider bzw. Steinausleser durch Auf- und Ab-Bewegungen aussortiert.
Danach kommt das Getreide in sogenannte Abstehzellen, wo es etwa einen halben Tag verbleibt, bis es weiterverarbeitet werden kann.

Anschließend wird das gesäuberte Mahlgut zu den Walzen transportiert und im Mahlstuhl zerquetscht, sodass der Mehlkörper aus den schützenden Hüllen heraustritt. Das zu Schrot zermahlene Getreide wird danach im Rüttelschrank gesiebt, um die gröberen Stücke herauszufiltern und nochmal aufs Neue zu mahlen. Die Bearbeitung auf unterschiedlichen Walzstühlen und Ebenen führt zum Erhalt verschiedener Feinheitsstufen und Typen von Mehl. Nach den Mahlvorgängen wird das fertige Mehl in Speichern gesammelt und abgefüllt.

Mehr zum Weg des Getreides

Wurde das Getreide sehr fein gemahlen, erhält man Mehl. Grieß hingegen ist etwas grober. Dunst liegt dazwischen und Schrot nennt man die ungeschälten Körner, welche lediglich grob zerkleinert wurden.

Mehr zum Weg des Getreides

In vielen Rezepten wird nicht nur die Zutat “Mehl” angegeben, sondern auch eine Typenzahl. Diese Typenzahl findet man auf der Verpackung. Sie gibt an, wie viel Milligramm Asche (Mineralstoffe) beim Verbrennen von 100 Gramm Mehl zurückbleiben. Die Typenzahl ist das Maß für den Mineralstoffgehalt des Mehles, da nur die Mineralstoffe zu Asche verbrennen.
Beispiel: Die Type „W 480“ gibt einerseits an, dass es Weizenmehl ist und andererseits, dass beim Verbrennen von 100g Mehl 480mg Asche zurückbleiben.

Hoch ausgemahlene Mehle enthalten einen hohen Anteil der Randschichten des Getreidekorns und damit mehr Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe. Sie sind deshalb auch dunkler als niedrig ausgemahlene Mehle wie Weiß-, Auszugs- oder Feinmehle, welche hauptsächlich aus dem Mehlkörper bestehen.
Die häufigsten Mahltypen sind:

  • “W 480" (Weizenmehl, -grieß, -dunst; sehr hell)
  • “W 700" (Weizenback- und -kochmehl; sehr dunkel)
  • “W 1600" (Weizenbrotmehl; sehr dunkel)
  • "R 500" (Roggenvorschussmehl)
  • “R 960" (Roggenbrotmehl)
  • "R 2500" (Schwarzroggenmehl). 

Vollkornmehle haben keine Typenangabe, da alle Bestandteile der Körner – einschließlich Keimling – enthalten sind.

Die wichtigsten Mehlarten im Überblick

Ob Brot, Kuchen, Palatschinken oder Strudel, Mehl ist aus der heimischen Küche nicht wegzudenken. Doch Mehl ist nicht gleich Mehl. Es kann nicht nur anhand der Getreideart sondern auch anhand der Mehlkorngröße eingeteilt werden. In Österreich wird das Mehl anders typisiert als in Deutschland oder der Schweiz. Am gängigsten sind die Begriffe glatt, universal und griffig.
Die verschiedenen Mehlarten erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen:

  • Glattmehl eignet sich besonders für feine Teige und Kuchen,
  • griffiges Mehl für Teige, die stabil bleiben sollen – etwa für Knödel oder Nudeln – während
  • Universalmehl ein praktischer Allrounder im Haushalt ist.

Welches Mehl für welche Speise?

Glattes Mehl

fein vermahlen – ideal für luftige Teige

  • Germteig (Osterstriezel, -zopf, -pinze)
  • Kuchen
  • Kekse
  • Soßen
  • Strudel
  • Biskuit

Griffiges Mehl

gröber – nimmt Flüssigkeit langsamer auf

  • Knödel
  • Spätzle
  • Nockerl
  • Nudelteig
  • Mancher Kuchen

Universalmehl

Mischung aus glatt und griffig, der Allrounder

  • Brotteige
  • Germteige
  • Kuchen
  • Kekse

Osterzeit ist Hochsaison für Germteige

Mehl ist fixer Bestandteil der heimischen Backkultur – von Brot über Palatschinken bis hin zu Osterklassikern. Besonders rund um Feiertage steigt die Nachfrage nach Germteigen wie Osterstriezel oder Brioche deutlich. Von 2024 auf 2025 legte der Absatz solcher Produkte (inkl. Osterbrot und Pinze) um 11 % auf rund 9.400 Tonnen zu. Zwar zählen Brioche und Striezel das ganze Jahr über zu beliebten Backwaren, in der Osterzeit erreicht der Konsum jedoch jedes Jahr aufs Neue seinen saisonalen Höhepunkt.

Markt in Zahlen: Was in Österreich gekauft wird

Mehl bleibt ein wichtiger Bestandteil im Einkaufskorb der Österreicher:innen. Im Lebensmittelhandel wurden im Jahr 2025 rund 41.100 Tonnen Mehl gekauft – bei einem durchschnittlichen Preis von 1,18 Euro pro Kilogramm.
Der Markt zeigt klare Trends:

  • Weizenmehl dominiert mit rund 78 % Marktanteil 
  • Dinkel liegt bei etwa 13 %
  • Roggen bei rund 7 % 
  • Glattes Mehl ist mit 46 % die meistgekaufte Variante
  • Universalmehl hat rund 21 % Marktanteil
  • Bio-Mehl wächst und erreicht bereits rund 30 % Anteil 

Warum Herkunft immer wichtiger wird

Beim Einkauf achten immer mehr Konsument:innen auf Qualität und Herkunft. Gerade bei Grundnahrungsmitteln wie Mehl ist Transparenz wichtig. Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt ebenso wie das Interesse an regionaler Produktion.

AMA-Gütesiegel für Mehl

Das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel steht für Mehl aus 100 % österreichischem Getreide. Die gesamte Produktionskette – vom Acker über die Mühle bis ins Geschäft – wird unabhängig kontrolliert. 

„Mehl ist weit mehr als ein Rohstoff, es ist die Grundlage unserer Brot- und Backkultur. Gerade bei einem so zentralen Lebensmittel möchten Konsumentinnen und Konsumenten wissen, woher die Rohstoffe stammen. Das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel steht für kontrollierte Herkunft und geprüfte Qualität aus Österreich - vom Acker bis ins Regal.“

Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing

Freiwilliger Beitrag unserer Getreidelandwirt:innen

Zusätzlich leisten viele Getreidebetriebe über das Umweltprogramm ÖPUL (Österreichischen Programm für umweltgerechte Landwirtschaft) einen Beitrag zur nachhaltigen Landwirtschaft und setzen freiwillige Maßnahmen für Boden-, Wasser- und Klimaschutz um – etwa durch Fruchtfolgen, Begrünungen oder einen schonenden Umgang mit Ressourcen. 

Versorgungsbilanzen

Österreich ist bei Getreide weitgehend selbst versorgt: Laut Versorgungsbilanzen der Statistik Austria liegt der Selbstversorgungsgrad bei rund 90 %. Gleichzeitig liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Getreideprodukten bei rund 90 Kilogramm pro Jahr. Gerade rund um Feiertage greifen viele Haushalte wieder häufiger zum Backblech – traditionelle Rezepte erleben dabei eine kleine Renaissance.

Tag des Mehls

Der Tag des Mehls 20. März liegt kurz vor Ostern und erinnert zum richtigen Zeitpunkt jedes Jahr daran, wie zentral dieses Produkt für unsere Ernährung, Tradition und Genuss ist. Besonders beim Backen rund um Ostern lohnt sich ein genauer Blick auf die Herkunft: Wer beim Mehlkauf auf das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel achtet, entscheidet sich bewusst für österreichisches Getreide sowie für streng kontrollierte Qualität und nachvollziehbare Herkunft.

Fakten rund ums Mehl in Österreich

  • 41.100 Tonnen Mehl pro Jahr im Handel (Haushaltseinkauf)
  • 48,4 Mio. Ꞓ Umsatz (Ausgaben der Haushalte)
  • 78 % Marktanteil Weizenmehl (Menge)
  • 46 % Marktanteil glatt (Menge)
  • 30 % Bio-Anteil (Wert)

Quelle: RollAma Gesamtjahr 2025/AMA-Marketing

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