Putenfleisch

Die Putenhaltung dient heutzutage nur noch der Fleischgewinnung

In Österreich halten ca. 600 wirtschaftlich relevante Betriebe mehr als zehn Millionen Masthühner und beinahe eine Million Puten. Insgesamt sind es ca. 71.000 Betriebe, auf denen 12,4 Millionen Geflügel gehalten wird. Auch auf diesem Gebiet ist die biologische Wirtschaftsweise mit 1.400 Bio-Geflügel-Betrieben präsent, hat sich doch die abgesetzte Menge von Bio-Geflügel in den letzten sechs Jahren beinahe verdoppelt.

Die gesetzlichen Grundlagen der Geflügelhaltung sind in Österreich die Tierhaltungs- und Geflügelhygieneverordnungen, die Tierschutz-, Tiergesundheits- und Tiertransportgesetze, sowie die Veterinär-Antibiotika-Mengenströme-Verordnung.

Das Zuchtziel in der Geflügelbranche ist es, genetische Veränderungen bei Tieren zu bewirken, welche zu einem beschleunigten Wachstum und folglich einem reduzierten Schlachtalter bei verringerter Futtermenge pro kg Schlachtvieh führen.

Da die Putenhaltung heute nur noch der Fleischgewinnung dient, wurden die Leistungsmerkmale hinsichtlich Gewichts besonders herausgezüchtet. Putenmast wird in Österreich vor allem großstrukturiert durchgeführt, denn mehr als die Hälfte der Betriebe halten mehr als 5.000 Tiere. Aufgrund der strengen Tierschutzstandards zum Wohle der Tiere, ist das produzieren in Österreich teurer und der globale Wettbewerb hart.

Haltungssysteme in der Putenmast sind die konventionelle Bodenhaltung mit Einstreu, die alternative Haltung mit Auslauf oder die Biohaltung: Bei der Stallhaltung mit Auslauf ist die Besatzdichte geringer als bei der konventionellen Bodenhaltung mit Einstreu, aber höher als bei der Biohaltung. Der Getreideanteil im Futter ist geregelt mit mind. 70%, der Auslauf pro Tier mit mind. vier Quadratmeter. Während bei der Biohaltung das Mindestschlachter für Truthühner 100 Tage und für Truthähne 140 Tage beträgt, ist bei der konventionellen Putenmast die Mastdauer 14 Wochen für weibliche und 18 Wochen für männliche Tiere.

Die Küken werden ebenso wie Hühnerküken als Tagesküken in Kisten, aber getrennt nach Geschlechtern, angeliefert. Sie sind jedoch nicht so genügsam wie Hühner, sondern stellen Ansprüche an das Stallklima, benötigen Futter- und Wasserzugang in der Nähe, umgeben sich gerne mit ihren Artgenossen, vor allem aber mit denen des gleichen Geschlechts. Aus diesem Grund werden zur Aufzucht sogenannte Kükenringe eingesetzt, welche den Bewegungsradius der Küken rund um die Wasser- und Futterstellen eingrenzen und in denen Hähne und Hühner getrennt aufgezogen werden. Außerdem kann in diesem kleinen Maßstab ebenso gut auf die Sauberkeit, Vermeidung von Zugluft und Heizung Rücksicht genommen werden. Nach der Einstallung benötigen die Küken ein paar Stunden Erholung.

Nach der ersten Woche sind die Küken groß genug, sodass die Kükenringe entfernt und sie nur noch nach männlich und weiblich getrennt werden, da Truthähne nicht nur schwerer, sondern auch um sieben Wochen länger gefüttert werden. Ab der dritten Lebenswoche werden die Küken außerdem auf Mastfutter umgestellt. Nach der 15. Lebenswochen erreichen die Truthühner ihr Mastendgewicht von ca. zehn Kilogramm, Truthähne werden 22 Wochen gemästet, bis sie ein Gewicht von 20kg erreichen.

Bei der konventionellen Putenhaltung ist es üblich, den Schnabel schon bei den Küken zu kürzen, sodass die Verletzungsgefahr minimiert wird, die aufgrund von Rangordnungskämpfen auftreten können. Bei der Bio-Haltung ist dies nicht erlaubt. Die Verletzungsgefahr ist bei dieser Wirtschaftsform außerdem geringer, da den Puten mehr Platz (21 kg statt 40 kg pro Quadratmeter) zur Verfügung steht und Bio-Bauern zumeist weibliche Puten halten, die seltener Rangkämpfe austragen.

Bei der Geflügelhaltung wird darauf geachtet, dass die Stallungen den Ansprüchen der Tiere entsprechen. Aus diesem Grund sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinsichtlich Platzangebot, Bewegungsfreiheit, Bodenbeschaffenheit, baulicher Ausstattung der Haltungseinrichtungen, Fütterung, wie auch die Sicherheitsanforderungen oder Eingriffe wie etwa das Schnabelkürzen im Bundestierschutzgesetz geregelt. Da das primäre Ziel einer nachhaltigen Produktion das Tierwohl hinsichtlich Gesundheit ist, führen laufende tierärztliche Kontrollen, strenge Futtermittelgesetze, hygienische und artgerechte Haltung zu einem qualitativ hochwertigen Geflügelfleisch. Die Wahl der Haltungsform und Aufstallung hängt schlussendlich von der wirtschaftlichen Ausrichtung der landwirtschaftlichen Betriebe ab. Geflügelhaltung zur Fleischproduktion wird in Österreich nur noch in Form von Bodenhaltung praktiziert, weiters ist die Haltung im Stall ohne Einstreu verboten.

Das Stallklima (Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und –bewegung und Schadgase) muss an die Bedürfnisse angepasst und der Sozialkontakt gewährleistet sein, da diese Faktoren wesentlich zum Wohlbefinden und somit zur Gesundheit der Tiere beitragen. Der Stall ist vorzugsweise groß und hell, und sollte warm, einfach zu reinigen, zugluftfrei aber dennoch leicht zu lüften sein. Eine Heizung, sowie Be- und Entlüftung sorgen für ein angenehmes Stallklima.

Gleich nach dem Ausstallen wird der Stall ausgemistet, gereinigt und desinfiziert, um etwaige schadhafte Insekten, welche sich im Einstreu aufhalten, gleich mit zu entfernen, bevor sie sich in die Mauerritzen zurück ziehen. Vor der Ankunft der neuen Küken, werden ebenso die Wasserleitungen, Heizstrahler und elektronische Computerüberwachungssysteme überprüft, sowie Tränken, Einstreu und Futterspender vorbereitet.

Auch im Bereich der Putenmast ist Österreich anderen Ländern einen Schritt voraus. Während europaweit nur Schweiz und Schweden die Putenmast ähnlich geregelt haben, gibt es in anderen EU-Staaten keine Beschränkungen z. B. beim Platzangebot. Sind in Österreich max. 40 kg pro Quadratmeter im konventionellen Betrieb zulässig und 20 kg im biologischen, ist eine Besatzdichte in Europa mit ca. 70 kg pro Quadratmeter üblich. Die Mehrkosten hat der Konsument zu tragen, da sonst eine heimische Mast nicht möglich wäre.

Bei der Truthahnhaltung sind Offenfrontställe mit natürlicher Lüftung sehr beliebt, die an einer Seite offen sind und dadurch viel Licht und Frischluft hereinlassen. Eine andere Stallart in der konventionellen Haltung ist ein geschlossener Stall mit Zwangsbelüftung. Um auch ihrem natürlichen Trieb des Scharrens und Pickens zu entsprechen, ist der Stall auch daran angepasst. Diese Verhaltensweise wird in manchen Betrieben auch zusätzlich gefördert, indem auf die Einstreu Futterkörner verteilt werden. Für Puten gilt die Faustregel, dass bis zur siebenten Lebenswoche max. neun Tiere pro Quadratmeter Stallfläche untergebracht werden dürfen, ab der achten Lebenswoche sind es fünf Truthühner bzw. zweieinhalb Truthähne.

In der Bio-Haltung muss den Puten ein nicht betonierter Auslauf zur Verfügung stehen, welcher mind. zehn Quadratmeter pro Tier betragen muss.

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