Rehkitze im hohen Gras
Wie man Jungtiere schützen kann
Egal, ob es sich um Hasenjunge, Rehkitze oder andere junge Säugetiere handelt: Wer im Frühling oder Sommer in der Natur auf ein scheinbar verlassenes Jungtier stößt, sollte unbedingt Distanz wahren.
Ganz alleine auf weiter Flur
Allein auf einer Wiese liegende Rehkitze oder junge Hasen wirken oft hilflos, wie sie so regungslos im hohen Gras liegen. Man sollte aber auf keinen Fall vorschnell eingreifen. Denn tatsächlich schützt sie die Natur mit einem raffinierten Trick: Die Muttertiere verstecken ihren Nachwuchs und halten sich tagsüber fern, damit keine Feinde angelockt werden. Nur zum Säugen oder Versorgen kehren sie kurz zurück.
Bitte fernhalten
Auch wenn ein junges Wildtier noch so niedlich und verlassen wirkt: Abstand halten und in Ruhe lassen sind die Gebote der Stunde. Schauen und staunen ist erlaubt – anfassen bitte nicht. So haben junge Wildtiere die besten Chancen, gesund aufzuwachsen. Dafür gibt es zwei wichtige Gründe:
- 🦌 Menschengeruch kann zum Problem werden
Wer ein Jungtier angreift oder streichelt, hinterlässt seinen Geruch auf dem Fell. Das kann dazu führen, dass die Mutter ihr Junges nicht mehr annimmt. Im schlimmsten Fall verhungert das Jungtier. - 😟 Nähe bedeutet Stress für Wildtiere
Für Wildtiere ist der Mensch ein potenzieller Feind. Kommen wir ihnen zu nahe, geraten sie unter enormen Stress. Gerade junge Tiere können dadurch so stark belastet werden, dass ihr Kreislauf versagt.
Wichtige Ausnahme
Ein Eingreifen ist ausschließlich dann empfohlen, wenn das Tier in Gefahr ist. Das kann sein, wenn es direkt auf der Straße sitzt und dort überfahren werden könnte. Bäuerinnen und Bauern greifen dann ein, wenn sie erste Mahd durchführen und feststellen, dass sich Jungtiere im hohen Gras befinden.
Umsiedeln von einem Rehkitz
Entdeckst du ein junges Wildtier direkt neben einer Straße, kannst du mit wenigen Handgriffen helfen. Wichtig ist dabei, möglichst behutsam vorzugehen.
- 🦌 Hautkontakt vermeiden: Berühre das Jungtier niemals mit bloßen Händen!
- 🌿 Geruchsbarriere schaffen: Nimm eine größere Menge Gras, Blätter oder ähnliches Pflanzenmaterial zur Hand. Damit kannst du deine Hände komplett abschirmen und das Jungtier greifen, ohne direkten Kontakt herzustellen.
- 👀 Nur ein kurzes Stück versetzen: Bringe das Tier aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich und setze es im direkt angrenzenden Sichtbereich wieder ab, etwa auf der Wiese, am Waldrand oder im dichten Gebüsch. Das Muttertier muss seinen Nachwuchs wieder leicht finden können.
- 🚶 Rückzug: Entferne dich anschließend rasch und ruhig vom Fundort. So kann das Muttertier ungestört zurückkehren und sich wieder um seinen Nachwuchs kümmern.
Wenn dir beim Spazieren ein junges Wildtier auffällt, das offensichtlich verletzt ist, gilt trotzdem: lieber nicht anfassen oder mitnehmen. Verständige eine Wildtierauffangstation oder die zuständige Jägerschaft vor Ort. Die wissen, wie man richtig hilft und kümmern sich um alles Weitere.
Rehkitzrettung der Landwirt:innen mit Drohnen
Wenn die Frühmahd ansteht (also der erste Grasschnitt), schauen Bäuerinnen und Bauern besonders genau hin, bevor die Maschinen losfahren. Mit Drohnen wird das hohe Gras abgeflogen, um darin versteckte Rehkitze vorher zu entdecken. Werden welche gefunden, werden diese vorsichtig in speziell dafür vorgesehene Rehkitz-Rettungsboxen gehoben. Dort bleiben die Tiere gut geschützt und ruhig untergebracht, bis die Mahd vorbei ist – danach werden sie wieder in die Freiheit entlassen.
Noch viel mehr Tricks
Neben den Drohnen, haben Landwirt:innen auch noch andere Tricks auf Lager.
Informationen u.a. von Naturschutzbund Österreich (Juni 2026);