Anpassung der Tierhaltung an den Klimawandel

Strategien zur Erhaltung der Tiergesundheit, des Tierwohls und der Leistung

 

Vom Klimawandel sind nicht nur die Pflanzen am Feld betroffen, sondern ebenso die Tiere. Deshalb sind auch in der Tierhaltung Anpassungsstrategien an den Klimawandel wichtige Themen.
Neben der Futterproduktion und Fütterungstechnik sind auch Stall- und Weidehaltung Bereiche, die optimiert werden müssen. Das Grünland, der Feldfutterbau und die Rationen sind an die sich ändernde Futtergrundlage anzupassen.

Grundfutter auf Grünlandflächen

In den Gebieten, wo es hauptsächlich Dauergrünland gibt, ist mit starken Ertragsschwankungen zu rechnen. Weniger bzw. unregelmäßige Niederschläge begrenzen nämlich die Erträge von den Gräsern. Auch der Pflanzenbestand ändert sich durch den Klimawandel: Das heißt, es gehen flach wurzelnde Gräser zurück, wodurch lückige Bestände entstehen, auf denen später lückenfüllende Unkräuter wachsen können. Eine Maßnahme, die Bäuerinnen und Bauern deshalb ergreifen, ist die Nachsaat mit tiefer wurzelnden Gräsern und Leguminosen, wie beispielsweise Rot- und Weißklee.

Futterbau anpassen

In gemischten Acker-Grünlandgebieten oder reinen Ackergebieten kann man schon jetzt Maßnahmen zur Anpassung an die Klimaerwärmung sehen. Da die Grünlanderträge zurückgehen, werden Dauergrünlandflächen in die Fruchtfolge integriert und als Feldfutter- oder Wechselwiesen bewirtschaftet. Es wird auch mit höheren Rationsanteilen von Maissilage und Getreide-Ganzpflanzensilage (GPS), reagiert. Eine empfohlene Anpassungsmaßnahme um den Futterzukauf gering zu halten und damit Versorgungssicherheit am eigenen Betrieb zu gewährleisten, ist der verstärkte Anbau von Körnerleguminosen und Ölsaaten für den Eigenverbrauch.

Anpassung der Futterrationen

Da sich nicht nur die Futterbestände verändern, sondern folglich auch die Nährstoffzusammensetzung in den Pflanzen, kann man davon ausgehen, dass der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen im Futter trotz intensiver Bewirtschaftung nicht steigen wird. Trockenheit und Unwetterschäden machen es notwendig, sich noch intensiver mit den Futterbestandteilen auseinander zu setzen und die Futterrationen noch genauer anzupassen. Hier bekommen Bäuerinnen und Bauern Unterstützung aus dem Futtermittellabor Rosenau, das Futtermittelanalysen durchführt und die Ergebnisse auch interpretiert. Die Fachreferenten der Landwirtschaftskammern helfen gerne bei Auslegung, Fehlersuche und Verbesserungsempfehlungen sowie Rationsberechnungen.

Weide und Alpung

Die intensive Kurzrasenwiese ist bezogen auf die Wasserverdunstung eine ungünstige Beweidungsart. Deshalb gibt es bei heißer Witterung sinnvolle Alternativen:

  • Portionsweiden: in (Tages-)Portionsflächen unterteilte Einzelkoppeln
  • Mob-Grazing: kurze Weidezeit auf kleiner Parzelle mit vielen Tieren, wodurch Pflanzen nur zur Hälfte abgefressen werden und somit der Boden besser beschattet wird

Bei diesen Beweidungsarten ist es wichtig, Über- und Unterbeweidungen zu vermeiden.

Futteraufnahme bei Hitze

Wiederkäuer sollen viele kleine Portionen über den ganzen Tag verteilt aufnehmen. Dadurch kommt es zu einer gleichmäßigen Versorgung der Pansenmikroben, die somit ihre Besonderheit der Faserverdauung bestmöglich ausleben können. Auch Tiere mit nur einem Magen, sogenannte Monogastrier wie z.B. Schwein und Pferd, reagieren bei Hitze mit einer veränderten Futteraufnahme. Bei Hitzestress fressen die Tiere tagsüber weniger, aber dafür mehr in den Abendstunden. Das kann jedoch zu Verdauungsstörungen mit tiergesundheitlichen Belastungen führen.

Um dem Hitzestress entgegenzuwirken, werden deshalb Gebäudeisolierungen, mechanische Lüftungen für erhöhten Luftaustausch oder Kühlung mit Wassersprenklern eingesetzt. Die moderne Sensortechnik, mit der z.B. die Lüftung gesteuert wird, trägt wesentlich zur Erhaltung des Tierwohls bei.

Aber nicht nur Tiere reagieren auf den Klimawandel, sondern ebenso auch ihr Futter. Da manche Futtermittel bei höheren Temperaturen rascher verderben, könnten Futterzusätze (wie z.B. Futtersäuren) zur Verhinderung des mikrobiellen Futterverderbs im Lager und im Stall eingesetzt werden.

Bereits seit einiger Zeit informiert die Fütterungsberatung darüber, wie Klimagase reduziert werden können. So haben Bäuerinnen und Bauern bereits begonnen in der Schweinehaltung auf eiweißreduzierte Fütterung umzustellen und auch in der Wiederkäuerhaltung die Rationen zu optimieren. Natürlich wird laufend weiter geforscht: Futtermittelzusätze, mit dem Ziel geringerer Emissionen, sind derzeit im Forschungs- und Entwicklungsstadium.

Genetik und Züchtung

Damit die Tiere besser an den Klimawandel angepasst sind, muss auch die Züchtung in diese Richtung gehen. Das heißt, dass vor allem Merkmale, die auf die Fitness der Tiere abzielen, hervorgehoben werden. Da sich diese Merkmale in den Zuchtprogrammen ohnehin in den letzten Jahren etabliert haben, ist damit auch indirekt eine bessere Verträglichkeit von Klimaextremen verbunden. Bei der Hauptrasse Fleckvieh wird in Österreich sogar ein eigener Fitnesszuchtwert berechnet, der ein Maß für die Vitalität der Tiere darstellt.

Initiativen der Landwirtschaftskammer NÖ zu Klima & Tierhaltung

Futtermittellabor Rosenau der LK NÖ

Im Futtermittellabor Rosenau werden kostengünstige und rasche Futteranalysen mittels anerkannter Methoden durchgeführt. Diese Vorgangsweise garantiert exakte Analyseergebnisse. Anhand der ermittelten Gehaltswerte können die Rationskomponenten exakter kombiniert und Fehlversorgungen vermieden werden.

Stallklima-Beratung

Die Landwirtschaftskammer NÖ bietet den tierhaltenden Betrieben Unterstützung bei der Planung von Lüftungsanlagen bzw. bei der Optimierung bestehender Anlagen. Ein tiergerechtes Stallklima trägt zur Erhöhung des Tierwohls und der Tiergesundheit bei und senkt auch die Emissionen aus den Stallungen.

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