Ente, Gans & Strauß

Noch mehr Geflügelarten

In Österreich sind es ca. 71.000 Betriebe, auf denen 12,4 Millionen Geflügel gehalten wird. Auch auf diesem Gebiet ist die biologische Wirtschaftsweise mit 1.400 Bio-Geflügel-Betrieben präsent, hat sich doch die abgesetzte Menge von Bio-Geflügel in den letzten sechs Jahren beinahe verdoppelt.

Die gesetzlichen Grundlagen der Geflügelhaltung sind in Österreich die Tierhaltungs- und Geflügelhygieneverordnungen, die Tierschutz-, Tiergesundheits- und Tiertransportgesetze, sowie die Veterinär-Antibiotika-Mengenströme-Verordnung.

Das Zuchtziel in der Geflügelbranche ist es, genetische Veränderungen bei Tieren zu bewirken, welche zu einem beschleunigten Wachstum und folglich einem reduzierten Schlachtalter bei verringerter Futtermenge pro kg Schlachtvieh führen.

  • In der wirtschaftlichen Entennutzung unterscheidet man zwischen Lege-, Fleisch- und Zweinutzungsrassen. Ihre tiergerechte Haltung ist äußerst unkompliziert, da sie widerstandsfähig und beinahe unempfindlich gegenüber schlechten Wetterverhältnissen sind. Neben Fleisch und Eier, werden ebenso die Federn der Enten genutzt.
  • Bei der Gänsehaltung ist vor allem die Mastgänse-Haltung vorherrschend, da Legegänse nur 40-50Eier pro Legeperiode legen und dieser Wirtschaftszweig somit nicht rentabel ist. Die Federn der Gänse finden ebenso wirtschaftliche Verwendung. Da Gänse die einzige Geflügelart ist, welche Weidegras verwerten kann, sind sie für die Grünlandhaltung qualifiziert.
  • Straußenfleisch lässt sich in seiner Qualität sehr von den Tierhaltebedingungen (Fütterung, Transport, Schlachtung, Kühlung und Reifung) beeinflussen. Werden Strauße in Hallen gehalten, verkürzt sich zwar die Mastzeit um ein Monat, jedoch auf Kosten des Fleisches, welches an Zartheit verliert. Neben der Fleischgewinnung aus Masttierhaltung werden ebenso Federn, Eier und die Haut genutzt.

Haltungsformen

Als Haltungssystem für Enten ist vor allem die Intensivmast im Stall beliebt. Bei diesem Haltungssystem verbringen die Jungtiere ca. drei Wochen im Aufzuchtstall, ehe sie in den Mastbetrieb wechseln. Nach ca. 50 Tagen haben sie das Schlachtgewicht von 3-3,5kg erreicht. Enten sind Allesfresser, dennoch eignet sich ihr Schnabel am besten für feuchte, weiche Nahrung wie beispielsweise Mais, Weizen, Gerste und Grünfutter (Gras, Brennnesseln, Wasserpflanzen). Ebenso wie Gänse oder Strauße schlucken Enten kleine Steine, um die Nahrung im Magen zu zerkleinern.

Der Schlachtzeitpunkt der Enten ist abhängig von der Rasse und dem Geschlecht. Sind die Mastbedingungen optimal, so erreichen Enten schon nach max. zwei Monaten ein Bratgewicht von 2-2,4kg. Nachteilig bei dieser raschen Mästung ist der unausgewogene Fleisch-Fett-Gehalt, da der Fettanteil sehr hoch ist, wodurch die Qualität geschmälert wird. Freilaufende Enten erreichen das Mastendgewicht von 2,5-3,5kg zwar erst nach 3-4 Monaten, dafür ist ihr Fleisch deutlich muskellastiger und beinahe fettfrei. Die kürzeste Mastdauer hat die Pekingente (50-60 Tage bei 2,5-3,5kg Schlachtgewicht), gefolgt von der weiblichen Barbarie-Ente (80 Tage bei 2,8kg Schlachtgewicht), der Mulard-Ente (80-90 Tage bei 3,5kg Schlachtgewicht) und dem Barbarie-Erpel (90-100 Tage bei 3,5kg Schlachtgewicht).

Die Gänsehaltung kann sowohl im Stall, als auch auf der Weide erfolgen. Bei letztem Haltungssystem dauert die Mastdauer länger, da das Futterangebot nicht so reichlich ausfällt und die Tiere langsamer wachsen. Außerdem legen Gänse ein selektives Fressverhalten an den Tag, da sie liebliche Pflanzen gegenüber harten Gräsern bevorzugen. Aus diesem Grund wird die Weidefläche unterteilt und wöchentlich neu abgesteckt. Dadurch werden sie auch vor Raubtieren geschützt Erfolgt die Gänsemast als Weidehaltung, werden im Mai die Jungtiere zu Beginn im Stall großgezogen, bis sie in der zweiten bzw. dritten Lebenswoche zeitweise auf die Weide kommen. Im Alter von acht Wochen verbringen sie dort den ganzen Tag, während ihnen in der Nacht ein Stall oder im Sommer auch nur ein Unterstand zur Verfügung steht. Bis November ist die Weidehaltung aufgrund der klimatischen Bedingungen in Österreich möglich. Ist die Weidefläche groß genug, können Rinder und Gänse gemeinsam gehalten werden. In den ersten sechs Lebenswochen werden die Weideküken mit Kükenaufzuchtfutter genährt, danach erfolgt die Deckung des Futterbedarfs ausschließlich beim Weidegang. Neben der natürlichen Nahrung wie Gräser, Saaten, Wurzeln, Beeren und Früchte, schlucken Gänse auch Sand und kleine Steine, die ihnen bei der Verdauung helfen. Vier Wochen vor der Schlachtung wird mit der Endmast begonnen, sodass wie nach 26-28 Wochen ein Schlachtgewicht von 4kg erreichen.

Bei der Stallhaltung werden schwere und schnell wachsende Rassen eingesetzt, die ihr Schlachtgewicht von ca. 5kg nach zwölf Wochen erreichen. Die Herstellung von Gänsestopfleber ist in Österreich seit 2004 gemäß Tierschutzgesetz verboten.

Das Futter für die Intensivmast ist in den ersten fünf Lebenswochen Kükenaufzuchtfutter, anschließend wird auf Mastfutter umgestiegen, welches einen hohen Maisanteil aufweist. Jedoch führt das Verfüttern von energiereichen Futtermitteln wie z.B. Mais oder Weizen zu einer Verfettung der Tiere.

Strauße sind die größten Vögel der Welt und können je nach Rasse bis zu 150 kg schwer bzw. 60 Jahre alt werden. Bei der Straußenhaltung zur Fleischproduktion unterscheidet man zwei Haltungssysteme, nämlich die Farm- und die Intensivhaltung: Bei der Farmhaltung stehen den Tieren große Auslauf- und Weideflächen zur Verfügung, wie dies auf Farmen in z. B. Afrika praktiziert wird. In Ländern, wo nicht so viel Platz vorhanden ist, wird die Intensivhaltung in kleinen Gehegen betrieben. Während im Ausland die Haltung meist ohne Auslauf ins Freie erfolgt, was sich durchaus positiv auf die Legeleistung aber negativ auf die Fleischqualität auswirkt, ist in Österreich eine Auslauffläche von mind. 1.000 Quadratmetern pro Gruppe verpflichtend. Eine Gruppe besteht aus 40 Tieren und wir in einem Gehege gehalten.

Strauße ernähren sich von Gras, in den Wintermonaten wird auch Heu oder Silage zugefüttert. Zusätzlich zum Raufutter wird auch Getreideschrot verfüttert, dessen Mischung ausschlaggebend ist für die Schnelligkeit der Verfettung der Tiere. Ab dem 12. Monat, wann der Muskelmasseaufbau der Strauße beendet ist und sie nur noch an Fett zunehmen, wird die Futtermenge reduziert und kurz vor der Schlachtung noch einmal angehoben für einen letzten Wachstumsschub, der das Fleisch zart werden lässt. Zur Steigerung der Leistung ist es in Europa üblich, in der Straußenhaltung mit gewissen Mitteln nachzuhelfen. Medikamente hingegen werden nur bei Verletzungen oder Erkrankungen verabreicht.

Für die Straußenfleischqualität ist es wichtig, die Tiere noch vor der Geschlechtsreife zu schlachten. Bei den Truthähnen ist dies ca. das 12. Lebensmonat, bei den Truthühnern das 18. Zu diesem Zeitpunkt besteht noch kein Unterschied zwischen den Geschlechtern wenngleich sie sich noch im Wachstum befinden. Dadurch ist ihr Fleisch besonders zart.

Stallungen

Bei der Geflügelhaltung wird darauf geachtet, dass die Stallungen den Ansprüchen der Tiere entsprechen. Aus diesem Grund sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinsichtlich Platzangebot, Bewegungsfreiheit, Bodenbeschaffenheit, baulicher Ausstattung der Haltungseinrichtungen, Fütterung, wie auch die Sicherheitsanforderungen oder Eingriffe wie etwa das Schnabelkürzen im Bundestierschutzgesetz geregelt. Da das primäre Ziel einer nachhaltigen Produktion das Tierwohl hinsichtlich Gesundheit ist, führen laufende tierärztliche Kontrollen, strenge Futtermittelgesetze, hygienische und artgerechte Haltung zu einem qualitativ hochwertigen Geflügelfleisch. Die Wahl der Haltungsform und Aufstallung hängt schlussendlich von der wirtschaftlichen Ausrichtung der landwirtschaftlichen Betriebe ab. Geflügelhaltung zur Fleischproduktion wird in Österreich nur noch in Form von Bodenhaltung praktiziert, weiters ist die Haltung im Stall ohne Einstreu verboten.

Das Stallklima (Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und –bewegung und Schadgase) muss an die Bedürfnisse angepasst und der Sozialkontakt gewährleistet sein, da diese Faktoren wesentlich zum Wohlbefinden und somit zur Gesundheit der Tiere beitragen. Der Stall ist vorzugsweise groß und hell, und sollte warm, einfach zu reinigen, zugluftfrei aber dennoch leicht zu lüften sein. Eine Heizung, sowie Be- und Entlüftung sorgen für ein angenehmes Stallklima.

Gleich nach dem Ausstallen wird der Stall ausgemistet, gereinigt und desinfiziert, um etwaige schadhafte Insekten, welche sich im Einstreu aufhalten, gleich mit zu entfernen, bevor sie sich in die Mauerritzen zurück ziehen. Vor der Ankunft der neuen Küken, werden ebenso die Wasserleitungen, Heizstrahler und elektronische Computerüberwachungssysteme überprüft, sowie Tränken, Einstreu und Futterspender vorbereitet.

Die Höchstbesatzdichte im eingestreuten Stall ist bei der Entenmast mit 25 kg pro Quadratmeter festgelegt, die verpflichtende Auslauffläche mit zwei Quadratmeter pro Tier. Ebenso muss eine Bademöglichkeit für die Tiere vorhanden sein. Ein optimales Stallklima ist für Enten eine trockene Umgebung ohne Zugluft, die aber trotzdem nicht zu warm ist.

In der Gänsehaltung liegt die Höchstbesatzdichte im Stall bei 15 kg pro Quadratmeter. Außerdem muss pro Tier eine zehn Quadratmeter große Auslauffläche zur Verfügung stehen. Im eingestreuten Stall muss eine Frischluftzufuhr gewährleisten, dass keine Feuchtigkeit aufkommt. Die Einstreu kann entweder Stroh, Hobelspäne oder Sägemehl sein, der Boden muss aus einer saugfähigen Unterlage bestehen. Speziell in Österreich ist ein Auslauf ins Freie (zehn Quadratmeter pro Tier) inklusive Bade- oder Duschmöglichkeit vorgeschrieben. Weiters ist für ausreichend Licht und Frischluft zu sorgen.

Bei der Straußenhaltung sollte nicht beim Auslauf ins Freie gespart werden, da Bewegung wesentlich ist für eine gute Fleischqualität. Die Ausstattung eines straußenhaltenden Betriebs umfasst neben dem Gehege eine Weidemöglichkeit, eine witterungsgeschützte Sandfläche zum Sandbaden und Stallungen mit Futter- und Tränkevorrichtungen. Grundsätzliche sollte die Betriebsausstattung ihrem natürlichen Lebensraum entsprechen, das Gehege soll demnach an die offene Landschaft einer Savanne erinnern und Sand und Steine im Gehege dienen der Zerkleinerung der Nahrung im Muskelmagen. Obwohl Wasser nicht erforderlich ist, da sie den Flüssigkeitsbedarf über die Nahrung decken können, baden sie dennoch gerne in Wasserlöchern.

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