Es tarat brenna
Wie Landwirtschaft und Feuerwehr gemeinsam Brände verhindern
Mehrere hundert Brände pro Jahr betreffen land- und forstwirtschaftliche Betriebe. In der Gesprächsreihe „Im Gespräch mit Johannes Schmuckenschlager“ erklärt Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner, worauf Betriebe besonders achten sollten.
© Imre Antal Wenn moderne Technik neue Risiken bringt
Photovoltaikanlagen, Akkugeräte und immer leistungsstärkere Maschinen gehören heute zum Alltag vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Gleichzeitig entstehen dadurch auch neue Herausforderungen im Brandschutz. Laut Feuerwehr kommt es jedes Jahr zu mehreren hundert Bränden in der Land- und Forstwirtschaft – oft ausgelöst durch technische Defekte, überhitzte Maschinen oder leicht entzündliche Materialien wie Staub, Heu oder Stroh.
Initiative "Es tarat brenna"
Um das Bewusstsein für Brandvermeidung zu stärken, wurde die Initiative "Es tarat brenna" gestartet. Ziel ist es, land- und forstwirtschaftliche Betriebe über mögliche Gefahrenquellen aufzuklären und praktische Tipps zur Vorbeugung zu geben.
Denn ein Brand am Hof bedeutet oft weit mehr als nur Sachschaden: Stallgebäude, Maschinen, Futtervorräte oder sogar Tiere können betroffen sein. Vorbeugung ist deshalb der wirksamste Schutz.
"Jeder Brand zerstört in einer Stunde, was oft über Generationen aufgebaut wurde. Neben dem Verlust an Substanz und Inventar sind es lange Betriebsunterbrechungen, die bäuerliche Existenzen ernsthaft gefährden. Meist reichen kleine Vorkehrungen, um große Katastrophen zu verhindern."
"War es früher der klassische Heustockbrand, der zur Katastrophe geführt hat, ist es heute der Brand, den ein Heuballen-Kran auslöst. Als Versicherer wollen wir dazu beitragen, dass Brände gar nicht erst entstehen. Aber im Falle eines Brandes sollen sich die bäuerlichen Familien sicher fühlen."
Häufige Brandursachen am Betrieb
Aus Sicht der Feuerwehr gibt es einige typische Situationen, in denen Brände entstehen:
- technische Defekte bei Maschinen oder elektrischen Anlagen
- heiße Lager oder Motoren nach der Erntearbeit
- Staub- und Strohreste in Maschinen
- Selbstentzündung von feuchtem Heu
- unsachgemäßer Umgang mit Akkus oder Ladegeräten
Besonders während der Erntezeit steigt das Risiko. Hitze, trockene Pflanzenreste und lange Einsatzzeiten der Maschinen können schnell zu kritischen Situationen führen.
Einfache Maßnahmen mit großer Wirkung
Viele Brände lassen sich bereits durch einfache Vorsichtsmaßnahmen verhindern. Dazu zählen vor allem regelmäßige Wartung und Reinigung von Maschinen, das Freihalten von Motor- und Lagerbereichen von Staub sowie eine gute Kontrolle elektrischer Anlagen.
Auch beim Einlagern von Heu und Stroh ist Vorsicht geboten. Wird zu feuchtes Material eingelagert, kann sich Wärme entwickeln, die im schlimmsten Fall zu einer Selbstentzündung führt. Temperaturmessungen im Heustock können hier frühzeitig warnen.
Zusammenarbeit mit der Feuerwehr
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Austausch mit der örtlichen Feuerwehr. Wenn Einsatzkräfte den Betrieb kennen, können sie im Ernstfall schneller reagieren. Viele Feuerwehren bieten auch Beratungen oder Übungen direkt am Hof an. Je besser Betriebe vorbereitet sind, desto geringer ist das Risiko eines Großbrandes. Dazu gehören auch ausreichend Feuerlöscher, klare Zufahrten für Einsatzfahrzeuge und ein guter Überblick über Gebäude und Anlagen.
“PV-Anlagen immer vom Profi planen und installieren lassen – niemals im 'Eigenbau'. Die Systeme regelmäßig warten. Akkus nie auf einer brennbaren Unterlage laden und immer auf Distanz von Brennbarem geschützt gegen Sonneneinstrahlung und Frost lagern. Batterie- und Hochvolt-Systeme brennen nicht unbedingt öfter, aber sie brennen anders."
Aufmerksamkeit schützt Betrieb und Tiere
Brandschutz in der Landwirtschaft beginnt im Alltag: bei der Wartung der Technik, beim sorgfältigen Umgang mit Futter und bei einem wachsamen Blick auf mögliche Gefahrenquellen. Oder anders gesagt: Wenn man rechtzeitig hinschaut, “tarat” es im besten Fall gar nicht erst brennen.