Holz als Baustoff

Das Multitalent am Bau

Von Balken bis Brettern, von Platten bis Sperrholz: Holz ist vielfältig einsetzbar und lässt sogar Gebäude in Massivbauweise alt aussehen. Warum das so ist und welche Vorteile der nachwachsende Rohstoff so mit sich bringt? Hier ein Überblick.

Weichen für Holzbau sind gestellt

Holz als Baustoff liegt im Trend. Alleine in den letzten 20 Jahren hat sich der Holzbauanteil im österreichischen Wohnbau verdoppelt. Mittlerweile lassen sich Ein- und Zweifamilienhäuser aber auch Reihenhäuser ohne Massivbauteile errichten. Selbst mehrgeschossige Gebäude oder Fassaden stellen für den Baustoff kein Handicap mehr dar. Und so greifen auch immer mehr Betriebe auf den nachhaltigen Rohstoff beim Bau und profitieren von unzähligen Vorteilen.

Welche Vorteile bietet Holz als Baustoff?

  • Holz ist in der Lage, seine Feuchtigkeit jederzeit an das Umgebungsklima anzupassen.
  • Holz besitzt gute thermische Eigenschaften. Es eignet sich ideal zur Wärmedämmung von Gebäuden. Im Vergleich zu Eisen oder Stahl ist Holz in der Lage, viermal so viel Wärme zu speichern.
  • Die Fertigteilbauweise und der trockene Ausbau reduzieren die Bauzeit gegenüber Häusern in Ziegelbauweise.
  • Der hohe Vorfertigungsgrad im Werk gewährleistet eine hohe Qualität der Anschlüsse, und wenige Nacharbeiten vor Ort sind erforderlich.
  • Statisch fallen durch das geringe Gewicht des Baustoffes Holz im Vergleich zu Stahl und Beton Fundamente oft kleiner aus als im Massivbau.
  • Da Holz ein elastischer Baustoff ist, können Bauteile schlanker dimensioniert werden als im Massivbau.

10 gute Gründe für Bauen mit Holz

Vom Vollholz zum Verbundwerkstoff

Holz kann zu vielen Produkten weiterverarbeitet werden. Dabei wird zwischen Vollholzprodukten und Holzwerkstoffen unterschieden. Sägewerke erzeugen Massiv- oder Schnittholz, indem sie das Blochholz zum Beispiel zu Balken, Brettern und Kanthölzern zurechtsägen. Wuchstypische Holzeigenschaften, wie Jahrringstruktur und Astansätze, bleiben unverändert erhalten und prägen neben dem typischen Aussehen auch die physikalischen Eigenschaften des Schnittholzes.

Holzwerkstoffe sind dagegen Werkstoffe, bei denen Holz zunächst zerkleinert und dann wieder zu neuen Werkstoffen zusammengesetzt wird. Dabei können die Holzeigenschaften mit Blick auf bestimmte Anwendungsbereiche gezielt verändert und optimiert werden.

Platten und Sperrholz

Die wichtigsten Holzwerkstoffe sind jene, die in der Plattenindustrie erzeugt werden. Spanplatte, Faserplatte, Grobspanplatte und das Sperrholz zählen zu den bekanntesten Erzeugnissen. Je nach verwendeten Bindemitteln oder Zusatzstoffen, wie beispielsweise Gips oder Zement, können Werkstoffe mit spezifischen Eigenschaften in nahezu jeder beliebigen Größe hergestellt werden.

Neuer Werkstoff für besondere Bedürfnisse

Eine relativ neue Werkstoffgruppe sind die sogenannten Wood-Plastic-Composites (WPC). Dabei handelt es sich um thermoplastisch verarbeitbare Verbundwerkstoffe aus Holz, Kunststoff und synthetischen Additiven. Ein typisches Beispiel für diese Produktgruppe sind beispielsweise Terrassendielen. Diese Verbundwerkstoffe aus Holz sind eine Werkstoffgruppe, der großes technologisches Potential in den verschiedensten Anwendungsgebieten zugesprochen wird.

Wenn auch das Klima profitiert ...

Auch ökologische Überlegungen können den Ausschlag geben, Holz verstärkt als Baustoff einzusetzen. Holz bindet zirka eine Tonne CO2 pro Kubikmeter verbautem Holz. Energieeffiziente Gebäude sind im Holzbau besonders gut umsetzbar. Aufgrund der zuvor beschriebenen guten Wärmedämmwerte lassen sich Detailausführungen wärmebrückenfrei und luftdicht problemlos realisieren. Das kann besonders bei der Kon­struktion von Passivhäusern ein entscheidender Vorteil sein. Darüber hinaus sind Gebäude aus Holz, im Gegensatz zu manch anderen Baustoffen, bei entsprechender Planung nach ihrer Lebenszeit rückbaubar und recyclebar oder letztendlich thermisch verwertbar.

Die Verwendung von Holz anstelle von Materialien, die bei ihrer Herstellung mehr Energie benötigen, vermeidet CO2-Emissionen und bremst damit den Klimawandel. Da die Energiepreise weiter steigen, ergeben sich dadurch zukünftig automatisch Kostenvorteile beim Verwenden von Holz.

Trendumkehr zu Holz

Früher wurden Häuser und Ställe im landwirtschaftlichen Bereich im Blockhausstil oder in reinen Holzriegelkombinationen aus massivem Holz gebaut. Dies hatte jedoch den Nachteil, dass die Dauer der Produktion vom Schlägern bis hin zum Aufschneiden, Lagern, Trocknen und Errichten der Bauwerke oft Jahre gedauert hat. Oft entsprach es auch nicht mehr dem heutigen Bauverständnis und den gewünschten Anforderungen. Seit Beginn der 1990er Jahre hat die österreichische Holzwirtschaft im Vergleich zu anderen Branchen stark aufgeholt und zahlreiche Holzprodukte entwickelt, produziert und Bauwerke errichtet.

Bauen mit regional vorhandenen Rohstoffen und Materialien war seit Jahrhunderten üblich und vor allem im landwirtschaftlichen Bereich normal. Mit dem Aufkommen der „modernen“ Baustoffe und Bauweisen, wie zum Beispiel mit Stahl, Stahlbeton und anderen erdölbasierten Baumaterialien, hat auch hier der Einzug von globalisierten Rohstoffen stattgefunden. Nun findet allerdings ein Umdenken statt und immer mehr greifen auf Holz als Baustoff.

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